Es ist immer gut, mit einem Experten über das Thema Nachhaltigkeit zu sprechen. Ein richtiger Experte ist Dr. Roland Schröder, Global Director für Nachhaltigkeit im Unternehmensbereich Waschmittel bei Henkel:
Frage: Nachhaltigkeit, was ist das eigentlich?
Hr. Schröder: Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Waldwirtschaft. Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang bedeutet, daß man nur von den Erträgen des Waldes lebt, ohne die Substanz zu schädigen.
Frage: ..... und heute?
Hr. Schröder: Es gibt viele Definitionen für den Begriff Nachhaltigkeit. Die offizielle stammt aus dem Bericht, den die Brundlandt-Kommission im Auftrag der Vereinten Nationen erstellt hat und lautet: Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können. Die "rheinische" Definition lautet: Lasst es uns gut gehen... und unseren Kindern aus.
Frage: .... wie können wir uns das genauer vorstellen?
Hr. Schröder: Häufig spricht man von den drei Säulen der Nachhaltigkeit. Das sind Ökonomie, Ökologie und Soziales - oder im englischen Profit, People, Planet. Mit der Einführung der industriellen Produktionsweise im Laufe des 18. Jahrhunderts - manche sprechen hier von Kapitalismus - stand der wirtschaftliche Erfolg im Vordergrund. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die soziale Frage, die Bezahlung der Arbeiter und die Arbeitsbedingungen immer wichtiger. Die Umwelt trat erst in den 50er Jahres des letzten Jahrhunderts in das öffentliche Interesse. Allerdings wurden alle drei Faktoren - oder Säulen - isoliert betrachtet. Eine nachhaltige Wirtschaftsweise bedeutet nun, daß alle drei Säulen gesamthaft betrachtet werden und versucht, das ganze System zu optimieren.
Frage: .... geht es auch etwas anschaulicher?
Hr. Schröder: Man kann sich die drei Säulen auch als drei Kreise vorstellen, die die Ökonomie, die Ökologie und das Soziale darstellen. Die Schnittfläche, wo sich also die drei Faktoren überschneiden, kann man als das Gebiet der Nachhaltigkeit definieren. Eine nachhaltige Wirtschaftsweise bedeutet, daß ich die Fläche aller drei Kreise vergrößern muß, um eine möglichst große Schnittfläche zu erzielen. Ich darf mich in keinem Fall auf nur einen Faktor beschränken.
Frage: Wie wäre es mit einem Beispiel?
Hr. Schröder: Ein ökologisches Waschmittel würde ohne Zweifel den ökologischen Kreis vergrößern. Läßt aber die Leistung nach, schrumpft der soziale Kreis, der den Produktnutzen darstellt. Die Schnittfläche - und damit die von uns definierte Zone der Nachhaltigkeit, wird kleiner.
Frage: Aber würde ein solches Produkt nicht wenigstens der Umwelt helfen?
Hr. Schröder: In der Praxis "Nein". Verbraucher haben die Tendenz, bei mangelhafter Reinigungsleistung einfach stärker zu dosieren. Damit wird der positive Effekt eines Ökoprodukts wieder aufgehoben. In der Praxis hat das Verbraucherverhalten auch einen viel stärkeren Effekt auf die Umwelt als die Zusammensetzung des Produkts. Daher ist die Aufklärung des Verbrauchers und seine Information von ganz besonderer Wichtigkeit.
Vielen Dank für das Gespräch